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Aus Spaß mit 130 in den Gegenverkehr |
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Freitag, den 20. Juli 2007 um 17:33 Uhr |
POLIZEI. Die nächtliche Ruhestörung durch die Raserei in der Innenstadt bringt die Anwohner auf die Palme. Die Fahrer sind auch oft aggressiv.
MOERS. Raserei in der Innenstadt, Reifenquietschen, schlaflose Nächte - das kennen alle. Doch was sie unter anderem aufregt, ist das Verhalten der "jungen Fahrer", die laut Statistik fast drei Mal mehr Verkehrsunfälle verursachen als andere Autofahrer. Für die Anwohner der Uerdinger Straße ist das Überfahren von roten Ampeln fast das kleinste Übel.
Eine Szene, die sich einem Anwohner tief ins Gedächtnis gegraben hat: Ein älteres Ehepaar überquert an der Ampel die Uerdinger Straße. Ein kupferfarbener Audi steht vor der roten Ampel, gibt plötzlich Vollgas und lässt die Reifen durchdrehen. Der Audi schießt auf das Ehepaar zu und geht dann "voll in die Eisen".
Verkehrsrowdys machen, was sie wollen
Anderes Beispiel: Ein BMW wird von einem Streifenwagen angehalten, eine Polizeibeamtin kontrolliert die Papiere. Dahinter hält ein vollbesetzter Mercedes, die Insassen rufen der Beamtin seuxuelle Anzüglichkeiten zu. Der Eindruck der Anwohner: Die Verkehrsrowdys machen, was sie wollen.
Die Redaktion fragte Detlef Gertenbach, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), nach seiner Einschätzung. "Mit mir macht das keiner", so Gertenbach. Man müsse bei solchem Verhalten "alle Register ziehen"; bei Beleidigungen sei die einzige Reaktion eine vorläufige Festnahme. "Deeskalation? Die Zeiten sind vorbei", meint Gertenbach. Deeskalation sei ein überholtes Schlagwort : "Ich appelliere an alle Kollegen, die rechtlichen Möglichkeiten voll auszuschöpfen."
Aggressionspotential hinter dem Lenkrad
Gertenbach sieht bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die hinter dem Steuer sitzen, ein "immenses Aggressionspotential" und liefert auch ein Beispiel: Vor drei Wochen sei ein 20-Jähriger mit Migrationshintergrund mit 130 km/h durch Repelen gerast und "aus Spaß" in den Gegenverkehr gefahren. Nach einer Verfolgungsfahrt konnte der 20-Jährige gestellt werden und habe den Beamten sofort als "Judenschwein" und "Drecksau" beschimpft. Die Polizei, so Gertenbach, habe in diesem Fall mit aller Härte reagiert.
Der GdP-Vorsitzende appelliert auch an die Justiz, härter durchzugreifen. Wenn der Führerschein für eine Zeit weg sei, so zeige dies Wirkung. Zudem müsse die Bestrafung der Tat auf dem Fuße folgen, das so genannte "beschleunigte Verfahren" viel öfter angewandt werden. "Beschleunigtes Verfahren" bedeutet so viel wie: heute erwischt, morgen verurteilt. Zudem stellt Gertenbach die Anwendung des Jugendstrafrechts bis zum 21. Lebensjahr in Frage. Reifeverzögerung und Führerschein passten eben nicht zusammen.
Und schließlich hätte er gegen ein bisschen Hilfe seitens anderer Behörden nichts einzuwenden: "Die sachliche Zuständigkeit des Ordnungsamts muss nicht um 16 Uhr enden."
19.07.2007 HARRY SEELHOFF
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