Edgar Langhoff (Führungsstelle Wesel)
Mittwoch, den 28. Mai 2008 um 18:11 Uhr

"Ich engagiere mich in der Gewerkschaft, weil ich mich für andere einsetzen möchte. Gewerkschaftsarbeit bedeutet für mich Vertrauen zu investieren.
Ein schönes Beispiel dafür ist die Geschichte von dem Seiltänzer, der hoch über den Köpfen in schwindelnder Höhe zwischen Rathaus und Kirchturmspitze balancierte. Und es war eine lange, gefährliche Strecke. Sobald der Artist sein Ziel erreicht hatte, spendete die Menge begeistert Beifall. Und forderte ein Dakapo. "Ja glaubt ihr denn, dass ich den Weg über das gefährliche Seil auch wieder zurück schaffe?" rief er der Menge zu. "Aber ja, aber ja", rief sie zurück. Und der Mann balancierte wieder über das Schwindel erregende Seil. Als er am Ausgangspunkt angelangt war, klatschte und trampelte die Menge und rief wieder begeistert: "Dakapo! Dakapo! Zugabe! Zugabe!" Und der Seiltänzer nahm eine Schubkarre und rief herunter: "Glaubt Ihr, dass ich es auch schaffe mit dieser Schubkarre hier?" Die Menge schaute gebannt nach oben. Mit einer Schubkarre 200 m über ein dünnes, gefährlich schwankendes Seil? Doch da rief schon einer von unten: "Das schaffst du! Das glaube ich, das schaffst du bestimmt!" Worauf der Seiltänzer nach unten rief: "Du glaubst, dass ich das schaffe? Dann komm nach oben, und setz' dich hinein!" Irgendwann muss jeder von uns sich entscheiden. Irgendwann muss jeder von uns in die Schubkarre.
Für die Gewerkschaftsarbeit bedeutet die Geschichte nichts anderes, als dass sich irgendwann jeder entscheiden muss, ob er Vertrauen in andere setzt, ob er ihnen auch sehr schwierige Dinge wirklich zutraut oder ob er es bei verbalen Akklamationen und Anfeuerungen belässt."


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